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Deutschland und Österreich mit dem VW T3

Unsere erste Reise mit dem selbst ausgebauten Van. Das Fahrzeug war noch lange nicht fertig, aber wir wollten einfach schon los. Mit einem neuen, noch ungetesteten Motor – und vor allem weit weg!

Reisebericht

Tag 1

Von Prag nach München

Tag 1

Die Nachmittagsfahrt auf der Autobahn von Prag nach München mit dem alten VW T3, der dank einer festhängenden Klappe heizte, als wären es 20 Grad unter Null, war lang. Das halb „gegrillte“ rechte Bein hörte genau in dem Moment auf zu schmerzen, als in der einsetzenden Dunkelheit auf der Autobahn die Lichter der hinter uns fahrenden Autos immer näher kamen und uns mit zunehmend aggressivem Hupen überholten.
Aber gut, wir haben ein altes Auto – und außerdem: beschwert euch bei euren Vorfahren, dass sie es nicht schneller gebaut haben.

Mit völliger Dunkelheit wurde uns klar, dass wir ohne Licht unterwegs waren. Zum Glück konnten wir die Scheinwerfer schnell reparieren und weiterfahren. In München kamen wir spät in der Nacht an. Dafür ging die Durchfahrt durch die Stadt schnell und ohne Staus.

Für die Nacht parkten wir unterhalb von München am Starnberger See. Der Ort wirkte alles andere als einladend – nur Dunkelheit, Gebüsch und irgendwo in der Ferne das Plätschern des Wassers. Viele Erlebnisse – und das war erst der erste Tag.

Was für eine Überraschung uns am Morgen erwartete! Ein wunderschön klares Seeufer und diese Ausblicke!

Insgesamt: 384 km

Starnberger See
Starnberger See
Starnberger See

Tag 2

Benediktbeuern

Garmisch-Partenkirchen

Am zweiten Tag machten wir uns auf den Weg in das Universitätsstädtchen Benediktbeuern. Wir warfen einen kurzen Blick in das örtliche Kloster und gönnten uns anschließend endlich unsere geliebte Currywurst. Die Fahrt nach Garmisch verlief danach deutlich angenehmer.

In Ga-Pa schlugen wir unser Lager auf einem Campingplatz mit herrlichem Blick auf die umliegenden Berge auf. Am Abend, als die deutschen Rentner ihre Satelliten einschalteten, machten wir uns auf den Weg, die Stadt zu erkunden. Zu dieser Zeit war die einzige geöffnete Lokalität eine Kneipe mit entsprechend genervtem Personal – und wir mittendrin …

Dabei stellte sich heraus, dass bei vollgetanktem Tank irgendwo Diesel auslief. Ich denke, an dieser schönen, sauberen Bio-Öko-Tankstelle mitten in grünen Wiesen wirkte der fettige, übel riechende Fleck, den wir hinterließen, besonders „eindrucksvoll“.

Insgesamt: 90 km

Benediktbeuern
Benediktbeuern
Garmisch-Partenkirchen
Garmisch-Partenkirchen

Tag 3

Garmisch-Partenkirchen

Zugspitze

Innsbruck

Am Morgen packten wir zusammen und fuhren weiter. Die Nachbarn auf dem Campingplatz lächelten uns zum ersten Mal an – vermutlich aus Freude darüber, dass der fahrende Diesel-Zirkus endlich abfuhr. Wir schlenderten noch durch den Rest der Stadt, sahen uns die berühmten Skisprungschanzen an und machten uns dann weiter auf den Weg in den Süden.

Und warum nicht unterwegs einen Blick auf die Zugspitze werfen, den höchsten Berg Deutschlands (2962 m ü. M.) und zugleich Grenzberg zwischen Deutschland und Österreich? Natürlich mit der Seilbahn – für stolze 40 € pro Person (heute kostet die einfache Fahrt so viel, die Rückfahrt aktuell 60 €).

Wir überquerten die Grenze nach Österreich und wurden mit einer traumhaften Abfahrt voller herrlicher Ausblicke hinunter nach Innsbruck belohnt. Ein Tag wie aus dem Bilderbuch.

Unsere Gelassenheit wurde langsam durch die Verkehrsschilder entlang der Strecke gestört: zuerst ein Fahrverbot für Radfahrer, dann ein Verbot für LKW über 7,5 Tonnen, 100 Meter später ein Schild mit dem Todessymbol und der Aufschrift „Schnell to Hell“. Dazu der Hinweis auf 16 % Gefälle für die nächsten Kilometer. Nichts Besonderes – wir sind schließlich in den Alpen.

Das Auto war zwar alt, aber in gutem Zustand. Als wir jedoch das vierte Schild mit 16 % Gefälle für die nächsten zwei Kilometer passierten, begannen wir das Problem in der Kabine regelrecht zu spüren – die Bremsbeläge. Ein eingelegter niedriger Gang half nicht. Unser alter T3 wollte einfach fahren – egal wie, wohin oder mit wem.

Die Rettungs-Rastspur im Kies, die wir im Rauch kaum sehen konnten, verpassten wir erfolgreich. In letzter Sekunde, mit dem Feuerlöscher griffbereit, verließen wir die Abfahrt auf die erste mögliche Ausfahrt in ein kleines Dorf. Wir hielten an (Gott sei Dank und dank des Gegenhangs) und verbrachten die nächste Stunde damit, um das Auto zu laufen, Wasser auf die qualmenden Bremsen zu gießen und vor den neugierigen Einheimischen so zu tun, als wäre alles völlig in Ordnung.

Als die Bremsen abgekühlt waren, machten wir uns wieder auf den Weg und beendeten dieses kleine Abenteuer – zum Glück ohne weitere „visuelle Effekte“. Ein Tag wie aus dem Bilderbuch…

Insgesamt: 63 km

Garmisch-Partenkirchen
Garmisch-Partenkirchen
Zugspitze
Innsbruck

Tag 4

Innsbruck

Hall in Tirol

Am Abend wollten wir auf einem Campingplatz hinter Innsbruck in der Ortschaft Hall in Tirol übernachten. Mitten in der Saison, ohne Reservierung – ideal. Wir fuhren zum Campingplatz, passierten die Reihe von zehn Wohnmobilen, für die nur noch ein Parkplatz vor dem Gelände übrig war, und hielten selbstbewusst mitten vor der Rezeption.

Aus der Dunkelheit des Platzes tauchte eine merkwürdige Gestalt auf, die unser Auto bewunderte. Höflich wechselten wir ein paar Worte, und erst als wir ihm auf Englisch erklärten, dass wir einen Platz suchen, stellte er sich als Platzwart vor. Er liebe den T3, hatte selbst einmal einen und würde uns natürlich den besten Platz auf dem ganzen Campingplatz geben!

Dass der Platz eigentlich voll war, merkten wir erst am Morgen, als wir an den leicht verärgerten Wohnmobil-Besatzungen auf dem Parkplatz vorbeigingen.

Mit dem Zug fuhren wir anschließend zurück nach Innsbruck, schlenderten durch die Stadt, sahen das berühmte Goldene Dachl, verschiedene Kirchen und auch den Aussichtsturm. Und wenn man schon in Innsbruck auf einem Turm ist, schaut man sich natürlich auch den Flugverkehr des örtlichen Flughafens an.

Fast zwei Stunden auf dem Turm können mit der Zeit allerdings etwas langweilig werden – besonders, wenn man nur einen einzigen Abflug erlebt… und der geht auch noch in die entgegengesetzte Richtung.

Innsbruck
Innsbruck
Innsbruck
Hall in Tirol

Tag 5

Achensee

Zell am See

Der Achensee – den muss man gesehen haben. Der größte See in Tirol, auch „Tiroler Meer“ genannt. Und das stimmt tatsächlich, zumindest was die Temperatur betrifft, die dem Baltischen Meer im Januar ähnelt.

 

Am Nachmittag erreichten wir den Campingplatz in Zell am See. Nach fünf Tagen unterwegs überraschten uns die goldenen Wasserhähne, die beheizten Böden und die Ambient-Musik in den Sanitäranlagen ein wenig.

Und als wäre das noch nicht genug an Erlebnissen für den Tag gewesen, sorgte in diesem „hochwertigen“ Campingplatz voller modernster Fahrzeuge unser uralter Gasherd für eine deutlich überhöhte Gasfreisetzung. Die Nachbarn konnten beim Abendessen beobachten, wie die jungen Abenteurer aus dem kleinen, niedlichen Auto unter dem Alarm des Gasdetektors herumrannten, lüfteten und versuchten, nicht ohnmächtig zu werden.

 

An diesem Abend haben die Deutschen ihre Satelliten nicht eingeschaltet.

 

Insgesamt: 48 km

Achensee
Achensee
Achensee
Achensee

Tag 6

Berchtesgaden

Obersalzberg

Am Morgen brachen wir zu unserem letzten Stopp in Österreich auf – nach Berchtesgaden. Einst ein Zentrum des Nationalsozialismus, heute ein Zentrum des Tourismus. Mit den Erfahrungen aus der Bergfahrt in Innsbruck beschlossen wir, das Auto unten im Ort stehen zu lassen und mit dem Bus hinauf zum Obersalzberg zu fahren.

Dorthin führt nämlich eine Straße mit einem Anstieg, bei dem die Bremsen selbst dann stinken, wenn man nur daran vorbeifährt. Am Obersalzberg befindet sich das Museum Dokumentation Obersalzberg, das sich mit der Geschichte dieses Ortes beschäftigt. Hier hatte jeder, der in Adolf Hitlers Umfeld eine Rolle spielte, sein Anwesen. Von diesen Gebäuden ist – mit wenigen Ausnahmen – nicht mehr viel erhalten. Dennoch ist es ein schöner Spaziergang an einem Ort, an dem Geschichte geschrieben wurde.

 

Das Highlight ist das Kehlsteinhaus, auch „Eagle’s Nest“ genannt, wie es die Alliierten bei der Befreiung Europas nannten. Ein Geschenk für Adolf zu seinem Geburtstag. Ein beeindruckendes Bauwerk, in dem Treffen und Feierlichkeiten stattfanden, mit einem goldenen Aufzug, der mitten durch den Berg führt und von 1820 m ü. M. einen atemberaubenden Ausblick bietet. Ein perfektes Geschenk für jemanden mit Höhenangst.

 

Fast bis zum Gipfel führt eine kurvige Straße, die nur von speziellen Bussen befahren werden darf – und auch ein Wanderweg.

 

Am Abend stießen wir auf einen Campingplatz – oder eher Nicht-Campingplatz – unweit von Berchtesgaden. Eine große Schotterfläche über einem vergessenen Dorf. Die Besitzerin kommt jeden Abend gegen sieben, registriert die Neuankömmlinge, wechselt ein paar Worte und geht dann wieder ins Tal hinunter.

 

Ruhe, Ausblicke, ein Paradies… und 10 € pro Nacht.

 

Insgesamt: 77 km

Berchtesgaden
Berchtesgaden
Berchtesgaden
Berchtesgaden

Tag 7

Der Lipno-See

Wir beschlossen, die Heimreise in zwei Etappen aufzuteilen und eine Nacht am Lipno-See auf einem Campingplatz zu verbringen. Die Fahrt über Nebenstraßen, durch Felder und Wiesen, verlief angenehm und ruhig. Dass wir in einem tschechischen Campingplatz angekommen waren, merkte man sofort:
„Bitte auch für warmes Wasser im Waschbereich bezahlen“, abends gibt es Disko, und zu essen stehen Bratwurst oder Schnitzel mit Pommes auf dem Menü.

 

Wir suchten uns einen Platz auf einer Wiese am Hang, gut sichtbar für die Bewunderer alter Fahrzeuge. Wir stiegen aus, grüßten aus der Ferne unsere neuen Nachbarn und mit dem Stolz von Besitzern eines alten, aber schönen Autos schlossen wir die Schiebetür und machten uns auf den Weg zum Wasser. Genau in diesem Moment fiel die Schiebetür ab…

 

Nach einer Woche voller Erlebnisse konnte uns das aber nicht aus der Ruhe bringen. Wir setzten die Tür wieder ein und gingen erhobenen Hauptes mitten durch unsere ehemaligen Bewunderer direkt zum Stand mit warmem Bier, fettiger Wurst und überbackenem Schnitzel mit Pommes.

 

Auf dem Weg zurück nach Prag riss Petra nach 100 Metern Fahrt das Gaszugkabel.

 

Insgesamt: 216 km

Lipno
vw T3
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